Wir starten das Wochenende des 7. – 9. August mit der Ausstellung von Bjørn Melhus LOST IN FINITY, die im Silent Green bis zum 23. August gezeigt wird. Melhus inszeniert den Ausstellungsraum als Parcours durch das mediale, kollektive Unterbewusste des 20. und 21. Jahrhunderts, als filmische Erzählung zwischen menschlichen Sehnsüchten und Ängsten, zwischen Untergangsszenarien und utopischen Entwürfen. Ausgangspunkt ist Material mit neu kombinierten Ausschnitten aus seinem künstlerischen Schaffen der vergangenen 35 Jahre, das auf unheimliche Weise mit der Gegenwart in Resonanz tritt: religiöse Bildwelten treffen auf popkulturelle Endzeitvisionen und technoide Exit-Strategien. Während gegenwärtig die Apokalyptik wieder hoch im Kurs steht, erleben wir in einem „einfach-weiter-so“ die Verleugnung der Möglichkeit eines Endes. Zwei Zustände, die der Philosoph Srečko Horvat in seinem Buch Poetry from the Future als „apocalyptic fetishism“ und „fetishist denial“ beschreibt. Die Ausstellung versucht, beide Fragestellungen ineinander zu verschränken. Adresse: Gerichtstraße 35
Am Freitag den 7.8. um 18Uhr wird im Radialsystem die Performance JOYFUL FAILURE –EIN ABEND ÜBER DIE POESIE DES SCHEITERNS aufgeführt. Joyful Failure – Eine Performance von laborgras feat. Liam Byrne & Ensemble. Im Anschluss an die Vorstellung ist das künstlerische Team im Foyer anwesend und freut sich auf einen offenen, persönlichen Austausch mit dem Publikum in informellem Rahmen. Scheitern gilt in unserer Leistungsgesellschaft als ein Makel. In einer Zeit, die von Krisen, Beschleunigung und Effizienzsteigerung geprägt ist, stellt das Stück die Frage nach Formen des Miteinanders. Was entsteht, wenn wir die Logik von Kontrolle und Selbstoptimierung loslassen? Statt Scheitern als Defizit zu begreifen, rückt die Produktion seine produktive Kraft ins Zentrum: als alltägliche, verbindende und zutiefst menschliche Erfahrung. So entfaltet sich ein Raum zwischen Stolpern und Aufrichtung, zwischen Verlust und Neubeginn. Ein Raum, in dem das Nicht-Gelungene nicht verdrängt wird, sondern sichtbar bleibt – leise, widerspenstig, lebendig. Adresse: Holzmarktstraße 33
Am Samstag 08.08. um 16Uhr wird im Kino Babylon der Film MEMORIAS DEL SUBDESARROLLO gezeigt. Der nach der gleichnamigen – auch ins Deutsche übersetzten – literarischen Vorlage des Kubaners Edmundo Desnoes (1930 – 2023) entstandene Film entwickelt seine Handlung in einer fragmentierten, essayistischen Form. Tomás Gutiérrez Aleas‘ vielschichtiger und subtiler Film ist eine der klügsten und tiefgründigsten Reflexionen über die kubanische Revolution, schillernd und rätselhaft wie sein Titel. Memorias del subdesarrollo gehört zu den wichtigsten Filmen Lateinamerikas und wurde mit seiner essayistischen Form, der Montage von Spielfilmhandlung und dokumentarischem Archivmaterial in nicht klarer zeitlicher, sondern eher assoziativer Anordnung zu einem Meilenstein des Weltkinos. Adresse: Adresse: Rosa-Luxemburg-Straße 30
Am Sonntag den 9.8. spielen in einem Hofkonzert im Schokoladen TURBOSTAAT. Friedfertig umarmt haben Turbostaat ihre Hörer*innen auf musikalischer Ebene seit ihres Bestehens noch nie. Da war immer mehr Understatement und nordfriesische Nüchternheit als Charmeoffensive oder Frohmut. Turbostaat-Musik, das ist Punkrock, dem Wattenmeer-Nebel in den Lungen hängt – seitdem sich die Band 1999 in der schleswig-holsteinischen Provinz formiert hat und auch ein Vierteljahrhundert später. Das letzte Album der Band „Alter Zorn“ fordert heraus – und zwar nicht zuletzt deshalb, weil es großteils im herausfordernden Jetzt zu spielen scheint und eine klammkalte Dystopie andeutet, die der Realität dramatisch ähnlich sieht. Wie inzwischen bekannt sein dürfte, sind Turbostaat keine Hymnenschreiber, keine Parolenklopfer, keine Klartexter – sondern Meister der poetischen Verschleierung, der konfusen Assoziationsketten und Metaphern, der verqueren Verkopftheit, der märchenhaften Düsternis. Adresse: Ackerstraße 169











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